PDA-Zeichen bei meiner Tochter Emma

Emma wird nicht auf Autismus untersucht und wenn wir es vermeiden können, dann vermeiden wir es vermutlich. Sie würde jetzt sowieso noch keine Diagnose bekommen.

Sie ist 4 Jahre alt und der größte Krawallmacher ihrer Gruppe im Kindergarten, aber in vielerlei Hinsicht scheint sie so normal und nicht-autistisch, dass ihr Verhalten leicht als unerzogen oder trotzig interpretiert werden kann. Und vielleicht stellt sich letzten Endes heraus, dass ihr Gehirn doch neurotypisch ist und ihr Verhalten einfach meinem sehr ähnelt.

Meine eigenen Eltern finden auch, dass sie sich sehr ähnlich verhält wie ich in ihrem Alter, nur ein bisschen schlimmer. Ich konnte dieselben Dinge wie sie und war auf die gleiche Art auffällig und anders als die anderen. Und ich habe eine Autismusdiagnose bekommen.

Emma kann Augenkontakt halten, besonders wenn sie etwas möchte oder fröhlich und entspannt ist. Sie kann Körpersprache und Mimik anderer Leute lesen, aber sie weiß nicht, wie sie reagieren soll. Sie ist sehr sozial und würde es vorziehen, die ganze Zeit mit anderen Kindern zu spielen. Aber die einzige Art zu spielen, mit der sie gut zurechtkommt, ist die, wo sie alles bestimmt und die anderen Kinder ihr folgen.

Glücklicherweise ist sie ziemlich clever und denkt sich ständig neue Spiele aus und verändert bestehende Spiele, um die Kontrolle zu behalten, und es gibt immer noch viele Kinder, die eine Weile mit ihr spielen wollen.

Wenn wir etwas tun sollen, leistet sie prinzipiell Widerstand. Ich bin richtig gut darin geworden, Zeitpläne und Strukturen übersichtlich für sie zu gestalten, aber sie mag keine Pläne, auf die sie zu wenig Einfluss hatte, und zerstört sie oder verändert sie, indem sie selber einen Stift nimmt und nachbessert. Emma ist unheimlich erfinderisch, um Kontrolle über Situationen zu erlangen und sie leidet ganz schlimm, wenn sie keinen Einfluss hat. Sie tut alles in ihrer Macht stehende, um mich zu zwingen das zu tun, was sie will (und damit das, was sie verkraften kann), durch Weinen, Schreien, Beschimpfen, Schlagen und Treten. Anschließend ist sie total verzweifelt, weil sie mir ja nicht wirklich weh tun wollte.

Manchmal ist sie auch ein Baby oder eine kleine Katze oder ein Hund, wenn wir etwas tun sollen. Wenn sie sich anziehen soll, ist sie oft ein Baby und kann nur auf dem Rücken liegen, während ich sie anziehe. Auf der Treppe ist sie ein Kätzchen und muss nach oben oder unten getragen werden und wenn wir gehen kann es sein, dass sie klagt, ihre Beine seien gebrochen.

Wenn ich dann ganz sicher bin, dass sie kein bisschen neurotypisch ist, sondern Autismus und PDA Realität und nicht Einbildung sind, dann reiße ich mich zusammen und schraube meine Anforderungen an sie runter. Dann verpacke ich alles, was wir tun sollen, in ein Spiel und es geht darum, wer zuerst am Waschbecken ist und Zähneputzen kann, oder wer es zuerst aus der Tür nach draußen schafft, oder ich bin ein Pferd auf dem sie reiten darf. So schaffen wir alle die Dinge, die getan werden müssen, wie im Spiel, aber mich kostet es 100% mehr Energie.

Und dann geschieht es plötzlich wieder: Ganz plötzlich aus dem Nichts heraus kann sie irgendwas Neues absolut Unerwartetes ganz von allein: Nach Wochen, in denen ich sie angezogen und getragen habe, kommt sie nach Hause, hängt ihre Jacke auf den Haken, stellt ihre Schuhe auf ihren Platz und fragt, ob sie beim Essen machen helfen kann!

Dann denke ich wieder, dass ich es bin, mit der was nicht stimmt. Dass ich zu viel meiner eigenen Schwierigkeiten in sie hinein interpretiere, dass sie vielleicht doch ein „normales“ 4 jähriges Mädchen ist. Denn was weiß ich schon über typische Kinder in dem Alter. Das hier sieht auf jeden Fall nicht wie Autismus oder PDA oder irgendwas Untypisches aus, sondern wie ein wohlerzogenes, ausgeglichenes 4-jähriges Kind.

So geht das dann eine Weile, bis sich wieder alles ändert und ich eine Faust in den Bauch geschlagen bekomme, weil sie einen halben Belohnungskeks bekommen hat, statt einem ganzen. Zum Glück kenne ich sie recht gut. Ich erkenne sehr viel von mir selbst in ihr wieder und kann intuitiv Strategien finden, die ihr helfen. So lange nicht mein eigenes PDA System anschlägt und ich die Kontrolle über die Situation haben MUSS, um existieren zu können. Weil auch ich es schwer aushalten kann, wenn ich keinen Einfluss habe, und weil auch ich dann mit Panik und Verzweiflung reagiere.

Dieses Blog ist für mich ein wirklich gutes Werkzeug, um festzuhalten, konzentriert zu bleiben, nachzulesen und Überblick zu erlangen, wenn wieder alles schief geht und ich mich einfach nicht mehr daran erinnern kann, was ich vor 2 Wochen anders gemacht habe, als alles besser lief.

Hier habe ich etwas über mein eigenes PDA Profil geschrieben.

 

2 thoughts on “PDA-Zeichen bei meiner Tochter Emma

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