Mein PDA und ich (Pathological Demand Avoidance)

Ich kann einiges, worin viele andere Autisten nicht so gut sind. Ich kann zum Beispiel Körpersprache und Mimik lesen und ich kann NT (als Fremdsprache) verstehen und sprechen. Mein Fokus liegt auf Menschen, nicht auf Dingen, und ich bin sehr darauf bedacht, was (von mir) erwartet wird und was als normal wahrgenommen wird. In diesem Sinne ähnel ich einem NT. Aber wenn man unter die Oberfläche schaut, handle ich nicht intuitiv unter NTs, sondern arbeite mit einer Riesenmenge von Strategien und Systemen, die alle dazu dienen, mich unsichtbar zu machen. Ich habe Angst davor, auffällig zu sein, sichtbar zu sein, ausgestellt zu sein, vielleicht weniger gut als andere zu sein. Ich sollte vorzugsweise etwas mehr als andere können, zumindest in bestimmten Bereichen, damit mein inneres emotionales System nicht reagiert.

Was meine Arbeit angeht, ist es glücklicherweise inzwischen so, dass ich mich nicht mehr so ​​persönlich betroffen fühle. Hier übe ich eine Funktion aus und erfahre als solche keinerlei Anforderungen. Bloß Aufgaben, wie in Brettspielen: es gibt Dinge zu tun, aber die haben nicht so viel mit mir persönlich zu tun.

Zu Hause ist das ganz anders. Alles ist persönlich und alles beinhaltet Emotionen.

Olaf sagt oft, dass mein Asperger-Gehirn kein Problem ist: Es sorgt dafür, dass ich so gut funktioniere, Probleme finden und lösen kann, Überblick und Strukturen schaffe und im Großen und Ganzen ein wirklich gutes Gehirn ist. Das in meinem Gehirn, was dem gleicht, das man mit PDA beschreibt, ist ein Problem.

Das macht, dass ich in einem Gespräch mit ihm ganz wie mein normales Selbst aussehen kann, aber wenn er mir eine unschuldige Frage stellt, gehe ich ohne Warnung in Verteidigung oder Angriff oder bekomme einen Zusammenbruch/Meltdown. Weil ich in genau diesem Moment nicht konnte. Es wurde persönlich, er hatte die Erwartung, dass ich etwas tun könnte, was ich in dem Augenblick einfach nicht konnte. Zumindest nicht verbal.

Manchmal gelingt es, dass er die Frage (die mein Dekodierungs-Gehirn als eine versteckte Forderung und eine an mich gerichtete Erwartung entschlüsselt) schriftlich stellt. Dann reagiere ich vielleicht auch etwas und lege sofort mein Telefon weg und entscheide mich, es im Moment überhaupt nicht zu beantworten. Und während ich im Widerstand bin, hat mein Gehirn trotzdem die Nachricht aufgenommen und damit gearbeitet, und auf einmal kann ich das, weil ich die Antwort kenne. Weil es nicht mehr plötzlich ist, konnte ich mich darauf einstellen. Dann kann ich sagen, dass wir jetzt wieder mündlich darüber reden können, denn jetzt ist es keine Forderung mehr, jetzt ist es eine Diskussion und es ist mündlich schneller und effektiver als beim Schreiben.

Übrigens empfinde ich es auch als eine Forderung, meinen Text auf Fehler, Tippfehler und die Fehler zu überprüfen, die auftreten, wenn man einen Satz zu oft umgestellt hat und dadurch die Wortstellung verkehrt wird. Ich bäume mich dagegen total auf. Daher wird es immer eine charmante Anzahl kleinerer Fehler in meinen Texten geben, über die du gerne mit Liebe hinweglesen darfst.

Ich habe auch etwas über Emmas PDA geschrieben.

2 thoughts on “Mein PDA und ich (Pathological Demand Avoidance)

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